"Ganz nah bei Silbermann", die Mitteldeutsche Zeitung zur Restaurierung der Zuberbier-Orgel in Gossa

 

von Ulf Rostalsky

Zuberbier-Orgel in Gossa, restauriert von Orgelbaumeister Rainer Wolter

Orgelbau-Meister Rainer Wolter bei den letzten Arbeiten an der Zuberbier-Orgel in der Gossaer Kirche. Seit Juli war er intensiv beschäftigt mit der Sanierung des Instruments, das Ende September feierlich geweiht werden soll. (Foto: André Kehrer)

 

GOSSA (MZ), 12.09.2008
Zurück zu den Ursprüngen: das ist die Aufgabe für Orgelbau-Meister Rainer Wolter. Er ist mit seinen Gesellen gerade dabei, die letzten Arbeiten in der Gossaer Kirche zu erledigen. Dort hat er sich seit Mitte Juli der Orgel angenommen. "Eine echte Herausforderung", sagt er.

Dabei hat er nicht unbedingt das Alter und die Herkunft des Instruments im Blick. Es ist dessen Gesamtzustand, der der Gemeinde, Pfarrer Albrecht Henning und nicht zuletzt dem Orgelbauer Kopfzerbrechen bereitet hat. "Bedingt spielbereit", beschreibt Henning die Situation. "Da haben sie noch einen ordentlichen Ton herausbekommen", wundert sich hingegen Wolter.

Der Zahn der Zeit hat gehörig genagt an der ältesten Orgel im Pfarrbezirk Krina. 1781 ist sie vom Dessauer Meister Andreas Ludewig Zuberbier gebaut worden. Ein kleines Schild im Inneren des Instruments sowie eine Nachricht im Blasebalg brachte das noch einmal in Erinnerung. 1779, steht dort geschrieben, ist der Auftrag an den Dessauer gegangen.

(…) Orgelmotor und 24 Holzpfeifen bis 2,40 Meter Länge sind erneuert, alle elektrischen Anbauteile ausgetauscht, Schnitzereien ergänzt, die Orgel gesäubert. Der Klang mache das Instrument besonders. "Typisch für Spätbarock, ganz in der Tradition der Silbermann-Orgeln", erzählt Rainer Wolter.

Was bisher nur noch in Ansätzen funktionierte, wird nach der grundlegenden Sanierung wieder möglich sein. Die Orgel soll mit ihrer Klangfarbe überzeugen. "Wir liegen sehr gut im Plan", bestätigt der Meister. Dem Festgottesdienst und der feierlichen Weihe am 27. September um 14 Uhr stehe nichts entgegen.

Dabei sei die Fülle der Arbeiten am Instrument beachtlich gewesen. "Vieles musste ausgetauscht und erneuert werden. Das alles aber so, dass keine neue Orgel entsteht", sagt Wolter. Tatsächlich sei das Instrument auch nach der Frischzellenkur ein historisches. Und wohl näher am Original als in den Jahrzehnten zuvor. Beispiel Prospektpfeifen. Die sind komplett ausgetauscht worden, haben heute wieder einen sehr hohen Zinnanteil. In der Vergangenheit waren in Gossa Pfeifen aus Zink eingebaut.

Die können zum Fest in zwei Wochen auch ersteigert werden. "Eine gute Idee. Ein ,f' für Friedrich, das ,a' für Anton", freuen sich Orgelbauer und Pfarrer über die Auktion, deren Erlös ganz sicher nicht den Aufwand der Sanierung decken werde. "Aber ein kleiner Beitrag wird es sein", so Albrecht Henning. (…) Erst im letzten Jahr wurden Glockenstuhl und Glocke instand gesetzt. "Ohne Unterstützung von außen wäre nichts gegangen", bestätigt der Pfarrer.

(…)

 

Mit freundlicher Genehmigung der Mitteldeutschen Zeitung

Originale Quelle: http://www.mz-web.de/a?id=1221208681167

Empfehlen Sie diese Seite bei Facebook
Orgel-KonzertAm 22.9.2013 weihte Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki die von uns generalsanierte Goebel-Orgel in St. Mauritius (Berlin-Lichtenberg) zum 100jährigen Jubiläum der Orgel und Kirchweihfest ein.
Hier ist ein kurzes Video des Ereignisses zu sehen.
Orgel-KonzertMatthias Eisenberg spielte am Sonntag, 15.5.2011 an der historischen Rühlmann-Orgel in der Ev. Kirche St. Mauritius in Zörbig (Sachsen-Anhalt).